Im Haushaltsentwurf 2027/2028 wird die Personalzuweisung für gebundene Ganztagsschulen (GTS) in den Klassenstufen Vorschule bis Jahrgang 4 umgestellt: Der Lehrkräfteanteil und die Honorarmittel entfallen komplett zugunsten eines höheren Erzieheranteils. Ab dem Schuljahr 2028/2029 sind für den Ganztag dieser Jahrgänge null Lehrkräftestellen und null Euro Honorarmittel vorgesehen.
Das klingt nach einer reinen Umschichtung, ist aber ein struktureller Einschnitt: Das GTS-Modell lebt davon, dass Unterricht, Lernzeit, Förderung und Kurse über den ganzen Tag „rhythmisiert“ ineinandergreifen und von denselben Lehrkräften mitgetragen werden. Fällt der Lehrkräfteanteil weg, zerfällt der Tag wieder in Unterricht am Vormittag und reine Betreuung am Nachmittag.
Konkrete Möglichkeiten, sich dagegen zu engagieren, finden sich am Ende dieses Textes.
Diese Zusammenfassung basiert auf einer Analyse des Kreiselternrats 52 Alstertal-Walddörfer (KER52), dessen vollständigen Foliensatz wir hier verlinkt haben.
Wer betroffen ist
- Die Max-Brauer-Schule ist eine von insgesamt 87 Hamburger Schulen mit zusammen rund 26.000 betroffenen Grundschulkindern.
- Es trifft überproportional Schulen in sozial belasteten Lagen: 46 % der GTS-Grundschulen haben Sozialindex 1 oder 2, gegenüber 28 % aller Grundschulen und nur 18 % der GBS-Schulen.
- Gerade die Kinder, die auf verlässliche Beziehungen und gezielte Förderung am meisten angewiesen sind, würden am stärksten verlieren.
Was das konkret für die Max-Brauer-Schule bedeutet
- Für die Grundschule der Max-Brauer-Schule muss damit das bestehende und bewährte Ganztagskonzept komplett neu strukturiert werden.
- Nach einer ersten Abschätzung der Schulleitung der Max-Brauer-Schule würden in der Grundschulabteilung voraussichtlich rund 4 Vollzeitstellen abgebaut werden müssen.
- Der Nachmittagsunterricht am Dienstag und Donnerstag lässt sich in seiner bisherigen Form nicht mit Erzieher:innen-Personal fortführen und Unterrichtzeiten entfallen. Die Schule müsste zur alternativen Betreuung zusätzliche Erzieher:innen einstellen – und konkurriert dabei mit allen anderen betroffenen Schulen um dieselben, für wenige Nachmittagsstunden wenig attraktiven Stellen.
- Es ist daher zu erwarten, dass der Bedarf teilweise nur durch geringer qualifizierte Honorarkräfte gedeckt werden kann.
- Die heutigen Lehrkräftestunden an der Max-Brauer-Schule finanzieren neben dem Nachmittagsunterricht auch die Begabungsförderung, Angebote im Bereich Chor, Bands, Orchester und Tanz sowie das Schüler:innenparlament – auch diese stehen damit infrage.
- Eine Auswirkungsanalyse je Schule fordert die Elternkammer seit dem 12. Juli 2026 – vorgelegt wurde bislang keine.
Was das für Familien bedeutet
- Aus von Lehrkräften begleiteter Lernzeit und Förderung wird bestenfalls Hausaufgabenbetreuung oder schlicht Nachmittagsbetreuung.
- Kostenfreie Kurse (Chor, Band, Orchester, Tanz, Kunstangebote, Yoga und viele andere) und gezielte Förderung verlieren ihre Finanzierung, da die Mittel dafür komplett gestrichen werden (nicht nur umgeschichtet) – sie fallen weg oder werden zur Privatsache.
- Die Umstellung erfolgt zum 1.8.2027 (Vorschule, Klasse 1 und 2) und zum 1.8.2028 (Klasse 3 und 4). Das heißt: Kinder, die jetzt in der Vorschule oder in Klasse 1 oder 2 sind, erleben die Kürzung noch während ihrer eigenen Grundschulzeit.
Der Widerspruch
2016 hat die Bürgerschaft einstimmig (Drs. 21/4866) beschlossen, die Personalmittel für Lehr- und Erzieheranteile im Ganztag zu verbessern und die Honorarmittel zu erhöhen. Der aktuelle Haushaltsentwurf beruft sich formal auf genau diese Drucksache – widerspricht ihr inhaltlich aber direkt.
Warum Eile geboten ist
Der Haushaltsausschuss der Bürgerschaft hat am 17. September 2026 bereits getagt, die Bürgerschaft beschließt den Haushalt im Dezember 2026 – danach ist nichts mehr zu ändern. Die Schulen planen das Schuljahr 2027/2028 bereits ab Frühjahr 2027.
Sechs Forderungen für die gebundenen Ganztagsschulen
Der Elternrat der Max-Brauer-Schule lehnt die geplanten Einschnitte im Ganztag ab und setzt sich für die Fortführung des erfolgreichen, 2006 mit dem Deutschen Schulpreis ausgezeichneten Schulkonzepts ein. Er schließt sich den folgenden sechs Forderungen an:
1. Keine pauschale Streichung von Lehrerressourcen
2. Multiprofessionelle Teams erhalten und stärken
3. Bestehende Ganztagskonzepte schützen
4. Pädagogische Gestaltungsräume erweitern
5. Keine Strukturveränderung ohne Beteiligung
6. Verlässliche Planung statt kurzfristiger Einsparungen
Informiert bleiben
- Foliensatz des Kreiselternrats 52: „Unser Ganztag steht auf dem Spiel“ (im Anhang)
- Mailingliste der Initiative des Kreiselternrats 52 zur Erhaltung des Ganztags
- Ganztagsschulverband (Mailingliste, Instagram)
- Elternkammer Hamburg (Instagram, Facebook)
Sich engagieren
Die Haltung der Elternschaft hat Gewicht und öffentliche Aktionen können dazu beitragen, die Einschnitte in der bisherigen Form zu verhindern. Aus diesem Grund möchten wir hier Möglichkeiten aufzeigen, sich gegen die Kürzungen auszusprechen.
- Abgeordnete kontaktieren: direkt per E-Mail (Adressen weiter unten), oder über Abgeordnetenwatch
- Petition unterzeichnen und weiterleiten
- In der eigenen Familie, im Freundeskreis und in Klassenchats weitersagen – viele Eltern wissen noch nichts davon, obwohl es ihre Kinder unmittelbar betrifft.
Adressen der Abgeordneten
Folgende Abgeordnete der Hamburger Bürgerschaft sind für Altona zuständig:
Regierungsparteien:
- Mithat Çapar (SPD): mithat.capar [at] spd-fraktion-hamburg.de
- Mareike Engels (Bündnis 90/ Die Grünen): mareike.engels [at] gruene-fraktion-hamburg.de
- Parica Partoshoar (Bündnis 90/ Die Grünen): (Sprecherin für Migration, Integration und Bildung): parica.partoshoar [at] gruene-fraktion-hamburg.de
Opposition:
- Heike Sudmann (Die Linke): heike.sudmann [at] linksfraktion-hamburg.de
- Andreas Grutzeck (CDU): mail [at] andreasgrutzeck.de
Bildungspolitischen Sprecher*innen der in Hamburg vertretenen Parteien:
- Nils Hansen (SPD), Fachsprecher Schule: nils.hansen [at] spd-fraktion-hamburg.de
- Jan Koriath (Bündnis 90/ Die Grünen), Sprecher für Bildung und Sport (und zuständig für Schulpolitik): Jan.Koriath [at] gruene-fraktion-hamburg.de
- Birgit Stöver (CDU): birgit.stoever [at] cduhamburg.de
- Sabine Boeddinghaus (Die Linke), Fachsprecherin für Bildung und Schule, Familie und Jugend: sabine.boeddinghaus [at] linksfraktion-hamburg.de
